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Neue Medien - Belletristik

Ein Ungeborener beobachtet aus dem schützenden Mutterleib heraus seine zukünftige Familie: "Hamlet" lässt grüßen, denn Mutter Trudy hat ein ehebrecherisches Verhältnis mit Schwager Claude, der Kindsvater ist in größter Gefahr. Das schlaue Kerlchen macht sich aber auch Gedanken über die ihn erwartende Welt.

Großer Lesespaß, philosophisch, sarkastisch - britisch eben.

Der chinesische Kaiser Qiánlóng, der mächtigste Mann der Welt, lädt Alister Cox, den berühmtesten englischen Uhrmacher und Automatenbauer seiner Zeit an seinen Hof ein. Mitten in der „Verbotenen Stadt“ Pekings soll der Meister aus London Uhren erschaffen, an denen die unterschiedlichsten Zeiten des Glücks, der Kindheit, der Liebe, auch die der Krankheit und des Sterbens abzulesen sind. Schließlich verlangt der gottgleiche Kaiser, der gemäß seinem Titel auch alleiniger Herr über die Zeit ist, eine Uhr zur Messung der Ewigkeit. Cox weiß, dass er diesen ungeheuerlichen Auftrag nicht erfüllen kann. Verweigert er sich aber dem Willen des Gottkaisers, droht ihm der sichere Tod.

Christoph Ransmayr hat ein fantastisch-wunderbares Buch geschrieben, in atemberaubenden Bildern erzählt er seine fast märchenhaft anmutende Geschichte, einer Geschichte, die tiefsinnig und poetisch ist. Sie spielt in längst vergangenen Zeiten und ist doch in der Auseinandersetzung des Menschen mit dem ewigen Rätsel der Zeit und ihres Laufes, im Grunde genommen aktuell und somit zeitlos.

Band 1 der international äußerst erfolgreichen Neapolitanischen Saga über die langjährige Freundschaft zweier Frauen. Man verschlingt dieses großartige Gesellschaftsporträt wie eine gute Fernsehserie und wartet gespannt  auf die folgenden 3 Bände!

12 Episoden (konzipiert als Monologe für die Bühne) zeigen Menschen in ihren vier Wänden und die Träume, die sie mit dem Leben darin verwirklichen möchten. Leider bewahren Bau- und Einrichtungsstil (und oft auch die mitwohnenden Partner) nicht vor Enttäuschungen und Einsamkeit. Mal humorvoll, mal sarkastisch oder auch resignativ meistern die Sprechenden ihr Leben in einer auf Oberflächlichkeiten beschränkten Zeit.

"UNTERLEUTEN" von Julie Zeh ist ein ebenso unterhaltsamer wie entlarvender Roman über die ländliche Idylle. Alteingesessene Dorfbewohner, die jahrzehntelange Kämpfe untereinander ausfechten, treten an gegen zugezogene Städter, die blauäugig die Natur für ihre weltverbessernden Ideen nützen wollen.

"Es wird in sämtliche Fettnäpfchen der Provinz getreten" - Randomhouse Verlag.

Ein junger Deutscher mit türkischem Vater tauscht für ein Semester die Wohnung mit seinem Istanbuler Cousin, um "seine Wurzeln zu finden".

Mit viel Humor und politischer Unkorrektheit werden deutsche und türkische Lebensweisen verglichen, es werden Gemeinsamkeiten, aber auch Eigenschaften gefunden, die man eher immer den anderen unterstellt. Ein herrlicher Spaß mit Tiefgang!

Nach vielen Jahren ohne Kontakt lädt ein Kabarettist seinen ehemaligen Jugendfreund, einen pensionierten Richter, in eine Vorstellung ein.

Der atemlose, entblößende Monolog begeistert und verstört nicht nur das Publikum, sondern lässt im Freund gute, aber immer mehr auch beschämende Erinnerungen auftauchen. Vor den LeserInnen entsteht eindringlich und aufwühlend das Bild einer tragischen Jugend.

Björn arbeitet in einem Großraumbüro neben unausstehlichen Kollegen und kann sein Glück kaum fassen, als er eines Tages ein kleines, geheimes Zimmer entdeckt.

Es befindet sich in unmittelbarer Nähe seines Arbeitsplatzes, gleich neben der Tonne für das Altpapier und dem Aufzug. Hier drinnen sind das Chaos und die Enge der Bürowabenwelt vergessen, Björn hat plötzlich Spaß an seiner Arbeit. Alles wäre gut, gäbe es da seine Kollegen nicht. Die treibt Björns bizarres Verhalten fast zur Verzweiflung. Und zu allem Übel tun sie auch noch so, als existiere dieses Zimmer überhaupt nicht.

Witzig und scharfsinnig beschäftigt sich Jonas Karlsson mit der Konformität in der modernen Arbeitswelt und mit der Frage, wie man als kleines Rädchen im großen Getriebe glücklich werden kann.

Radek Knapp ist bekannt für pointierte Texte mit Sprachwitz. Das beweisen seine Romane "Herrn Kukas Empfehlungen" und "Reise nach Kalino".

In seinem aktuellen Buch erzählt Knapp von Ludwik Wiewurka, der als Jugendlicher von Polen nach Österreich kam und sich nach anfänglichen Schwierigkeiten in der österreichischen Hauptstadt ganz gut zurechtfindet. Er arbeitet als Heizungsableser und widmet sich nicht nur den Zählerständen, sondern auch den Bewohnern der dazugehörenden Wohnungen. Der größte Wunsch seiner Mutter ist es, dass ihr Sohn endlich Österreicher wird. Dieser Wunsch erfüllt sich auch, doch dass das noch nicht das Happy End bedeutet, weiß jeder, der Radek Knapps Bücher kennt.

Deutschland im Jahr 2004: Der Iraker Karim lebt  seit drei Jahren mehr schlecht als Recht in Deutschland. Sein Asylgesuch wurde anerkannt, doch jetzt sóll er abgeschoben werden, schließlich wurde der Diktator seines Heimatlandes gestürzt.

Karim platzt der Kragen und gleich zu Beginn des Romans stürmt er in die Ausländerbehörde und ohrfeigt seine Sachbearbeiterin Frau Schulz. Dann fesselt und knebelt er sie - sie soll sich seine Geschichte anhören.

Der vierte Roman des Autors, der nach mehrjähriger Haft im Jahr 1996 aus dem Irak geflohen ist, bschäftigt sich mit dem aktuellen Flüchtlingsproblem. Er rüttelt auf, ermöglicht einen manchmal notwendigen Perspektivenwechsel - und macht nachdenklich.

 

Das neue Buch des Iren Colum McCann ist eine abgründige Erzählung von nur 96 Seiten: "Verschwunden" beschreibt die schwierige Beziehung zwischen einer Mutter und ihrem gehörlosen Adoptivsohn. Als der Junge verschwindet, durchleidet sie eine Hölle aus Selbstvorwürfen.

Die Geschichte beginnt wie ein Krimi. In einem kleinen irischen Dorf wird ein Junge vermisst: der 13-jährige Tomas, ein russisches Waisenkind, er ist taubstumm. Rebecca hat ihn adoptiert, als er sechs war, seit ein paar Jahren leben sie in dem Haus an der Atlantikküste. Zu Weihnachten schenkte sie ihm − sein größter Wunsch − einen Neoprenanzug. Am Morgen danach sind Tomas und der Anzug verschwunden. Das ganze Dorf sucht nach ihm, in den Klippen, am Strand, auf dem Meer. Plötzlich taucht er auf. Aus dem Nichts. Er ist unversehrt. Kein Missbrauch, keine Verletzungen. Bloß, wo ist er gewesen?

Es gibt keine Antwort auf diese Frage. Der Leser bleibt mit dem Rätsel des Verschwindens des Jungen allein.